Gasförderung im Mittelmeer Israel und Libanon legen Streit um Seegrenzen bei

  • Libanon und Israel haben nach israelischen Angaben ihren langwierigen Streit um Gasförderung im Mittelmeer beigelegt.
  • Unter Vermittlung der USA einigten sich die Staaten auf eine gemeinsame Seegrenze.
  • Das geförderte Gas könnte auch zur Linderung der Energiekrise in Europa beitragen.

Es ist das Ende eines langwierigen Streits zwischen Libanon und Israel: Die beiden Staaten einigen sich auf eine gemeinsame Seegrenze. Der israelische Ministerpräsident Jair Lapid sprach am Dienstag von «einer historischen Errungenschaft.»

Auch von libanesischer Seite kamen positive Signale. Die endgültige Fassung des Abkommens stelle den Libanon zufrieden, erfülle seine Forderungen und wahre seine Rechte an seinen Ressourcen, teilte das Büro von Präsident Michael Aoun über Twitter mit. «Wir glauben, dass dies ein faires Abkommen ist», sagte Libanons Chefunterhändler Elias Bu Saab.

Hintergrund des jahrzehntelangen Streits ist eine umstrittene 860 Quadratkilometer grosse Fläche vor der Küste, die beide Seiten als ihre ausschliessliche Wirtschaftszone beanspruchen. Der Konflikt um den Grenzverlauf hatte sich nach der Entdeckung von grossen Mengen Erdgas verschärft. Die Nachbarn erhoffen sich wirtschaftliche Vorteile.

Aktuelle Krise im Libanon

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Der Libanon steckt derzeit in der schwersten Wirtschaftskrise seiner Geschichte, die unter anderem die Energieversorgung schwer getroffen hat. Viele Libanesen haben am Tag nur noch eine oder zwei Stunden Strom.

Privat betriebene Generatoren können sich wegen steigender Ölpreise nur wenige Menschen leisten. Von der künftigen Gasförderung erhoffen sich viele Libanesen einen Aufschwung. Allerdings ist noch unklar, ob und welche Mengen Gas das Land überhaupt fördern kann.

Offiziell befinden sich Israel und der Libanon noch immer im Krieg. Die Verhandlungen über den umstrittenen Grenzverlauf waren im Oktober 2020 in einem ungewöhnlichen Schritt aufgenommen worden. Es war der erste Kontakt seit Jahrzehnten, der sich nicht um das Thema Sicherheit drehte.

Mögliche Linderung für Energiekrise in Europa

Das Gas aus Israel könnte auch zur Linderung der Energiekrise in Europa beitragen. Seit der russischen Invasion in der Ukraine sucht die EU verstärkt nach anderen Energiequellen. Der israelische Ministerpräsident Jair Lapid hatte vor einiger Zeit angekündigt, die Gasexporte nach Europa erhöhen zu wollen.

Dem Libanon soll mit dem Abkommen nach israelischen Medienberichten die Erschliessung des Offshore-Gasfeldes Kana ermöglicht werden. Israel behält demnach die Hoheit über das Gebiet rund um die Karisch-Gasplattform nördlich der israelischen Hafenstadt Haifa.

SRF 4 News, 11.10.2022, 12:30 Ihr ; 

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